Problematische Synonyme

Die letzte Folge dieser Miniserie über die Arbeit mit Synonymen erläutert, wie und wann Synonyme den Wert eines Content-Systems nachteilig beeinflussen können.

Wenn Sie beginnen, über bevorzugte Begriffe und ihre Synonyme nachzudenken, kann das schnell fast süchtig machen: Wie viele Synonyme können Sie für den jeweiligen Begriff finden?

Ähnlich wie bei der Granularität oder Tiefe einer Taxonomie kann es auch bei Synonymen schnell zu detailliert werden.

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Es gibt zwei grundlegende Aspekte die beim Detailliertheitsgrad von Synonymen gelten.

  • Begriffe, die Homonyme sind (Wörter, die mehrere ganz unterschiedliche Bedeutungen haben) können von Benutzern verwechselt werden
  • Begriffe, die nur unscharf das Gleiche bedeuten, können zu Unklarheiten führen und Benutzer verwirren.

Wenn Sie dem Bild eines Pferdes den Begriff „Fuchs“ zuweisen – was werden Nutzer denken, wenn sie nach Raubtieren suchen und dann Ihr Pferd sehen? Man könnte sich alle möglichen Beziehungen zwischen Pferd und Fuchs vorstellen. Aber das ist nicht die Art von Logik, die Nutzer anwenden, um Bilder von Raubtieren zu finden.

Wenn das Suchverhalten des Systems so eingestellt ist, dass alle eingegebenen Suchbegriffe im gefundenen Inhalt vorhanden sein müssen, wäre dies wahrscheinlich kein Problem.

Die Erstellung von Synonymen wirkt sich auf alle mit dem bevozugten Begriff markierten Assets aus. Daher ist es wichtig, alle unbeabsichtigen Konsequenzen abzuwägen, die sich aus der Zuweisung der Synonyme ergeben könnten.

Synonyme können auch Mehrdeutigkeiten und damit Unklarheiten bedingen. Nehmen Sie zum Beispiel das Wort „Kuchen“. Wenn Sie die Synonyme für diesen Begriff definieren, können Sie auch den Begriff „Torte“ zuordnen, wenn Sie davon ausgehen, dass Konditoreiprodukte jeder Art das Ziel einer Suche nach „Kuchen“ sind. Wenn aber jemand tatsächlich das Foto eines Kuchens benötigt, würden solche Suchergebnisse eher nerven.

Auf der anderen Seite könnte gerade diese Mehrdeutigkeit in Abhängigkeit der Erfahrung Ihrer Nutzer und deren Nutzung des Systems willkommen sein.

Denken Sie an eine Tomate: Sie ist eine Frucht, kein Gemüse. Aber ist das in Ihrem System von Bedeutung? Etwa bei der Suche nach „rotem Gemüse“ wäre es ok, Bilder von Tomaten zu zeigen – weil Sie wissen, dass ihre Nutzer Broschüren oder Rezepte erstellen und Unterrichtspläne für Botanik (ignorieren Sie diesen Rat, wenn Sie befürchten, dass jemand Tomaten für einen Obstsalat verwendet und Ihr Content-System in Regress nehmen könnte).

Idealerweise sollte die synonyme Beziehung zwischen zwei Begriffen beide Wege abbilden. Zum Beispiel können Sie sicher sein, dass alle Stubentiger Katzen sind und dass alle Autos Automobile sind. Aber nicht alle Boote sind Schiffe, und nicht alle LKWs sind Pick-ups.

Bedenken Sie immer, ob es eine hierarchische Beziehung zwischen zwei Synonymen gibt, die Sie in Betracht ziehen. Wenn Sie es schwierig finden, einen Begriff dem anderen unterzuordnen, sind die beiden Termini wahrscheinlich gute Kandidaten für geschwisterliche Synonyme.

Auf der anderen Seite könnte eine nicht klar definierte Beziehung zwischen den beiden zu Problemen führen. Ein Beispiel: Alle Tablets sind Computer, aber nicht alle Computer sind Tablets. In solchen Fällen wollen Sie unter Umständen, dass „Computer“ ein Oberbegriff zu „Tablet“ ist.

Wie in vielen anderen Fällen können die Regeln für die Verwendung von Synonymen in einem DAM- oder Content Management-System von den akademischen Regeln abweichen, die sonst gelten würden.

Hier sind einige Überlegungen, die Sie bei der Planung Ihrer Synonyme berücksichtigen sollten:

  • Das Ziel eines Synonyms in einem Content-System ist es, den Wert der Suchergebnisse zu steigern – es geht nicht um die sprachliche Erziehung der Benutzer.
  • Synonyme sollten nie zu Unklarheiten führen.
  • Homonyme sollten nicht als Synonyme verwendet werden, wenn ihre alternativen Bedeutungen für andere Assets in Ihrem System nicht relevant sind. Wenn Ihr System sich etwa mit Mikrobiologie beschäftigt, ist es unerwünscht, dass die Verwendung von „Zelle“ als Suchbegriff zu vielen Fotos aus dem Strafvollzug führt.

Tipp: Wenn Sie diese Ratschläge gut finden – warum übernehmen Sie sie nicht in Ihre Richtlinien, welche die Erstellung von Synonymen regeln?

Wenn die Komplexität der Arbeit mit schriftlichen Synonymen bereits als komplex eingestuft werden kann, stellen Sie sich vor, wie komplex die Dinge erst werden, wenn Content Management-Schnittstellen sprachbasiert sind:

  • Lärche oder Lerche
  • Muskel oder Muschel
  • Waise oder Weise

Nutzen Sie die Nuancen der Sprache zur Ihrem Vorteil, wenn Sie Ihr System gestalten. Scheuen Sie sich nicht, die Regeln der Sprache zu brechen, wenn es im Einzelfall sinnvoll ist. Bei Ihrem Content-System geht es nicht darum, die Benutzer sprachlich zu bilden. Es geht darum, sie in die Lage zu versetzen, das zu finden, was sie brauchen – so bequem wie möglich.

Vergessen Sie nicht, dass Maschinen (derzeit) nicht gut darin sind, Sprache in ihrem Kontext zu erfassen. Satzstrukturen können Maschinen wie Google helfen, das zu bewältigen, aber die meisten Nutzer formulieren ihre Suchanfragen in DAM- oder Content Management-Systemen nicht in Satzform. Das ist auch in Ordnung, weil die meisten dieser Systeme mit Sätzen nicht sehr gut umgehen können.

Sie können wahrscheinlich nicht allen schwierigen Situationen Rechnung tragen. Damit haben Sie noch einen Grund mehr dafür zu sorgen, dass Ihre Nutzer einfach Fragen stellen können sobald sie auftauchen. Wann immer Nutzer verwirrt sind von dem, was sie sehen, sollten sie Sie die Möglichkeit haben, ihre Bedenken zu äussern – und Sie sollten diese Bedenken ernst nehmen.

Auch in dieser Serie:

Dieser Auszug aus dem Buch Metadata for Content Management wird mit Genehmigung seines Autors David Diamond veröffentlicht, dessen Urheberrecht davon nicht berührt wird. Weitere Auszüge werden von Zeit zu Zeit im DAM Innovation-Blog von Picturepark veröffentlicht werden. Das Buch ist über Amazon erhältlich.